27.08.2015

Tiefe Energiepreise und Aufhebung des EUR/CHF-Mindestkurses belasten das Repower-Halbjahresergebnis 2015

Weiterhin tiefe Energiepreise und der starke Schweizer Franken belasten das Geschäftsergebnis im ersten Halbjahr 2015 massiv. Bei währungsbedingt rückläufigem Umsatz (922 Mio. CHF) resultierte ein EBIT von -34 Millionen Franken und ein Reinverlust von 108 Millionen Franken. Repower nahm Wertberichtigungen auf Kraftwerksanlagen und Rückstellungen auf Energielieferverträgen im Gesamtbetrag von 42 Millionen Franken vor. Die definierten Massnahmen zur Kosteneffizienz, Strukturanpassungen und die Bereinigung des Beteiligungs- und Projektportfolios werden konsequent umgesetzt. Repower überprüft die strategische Positionierung im Hinblick auf die zukünftigen Marktanforderungen.

 

Die Gesamtleistung lag mit 922 Millionen Franken im ersten Halbjahr 2015 um 23 Prozent unter dem Wert des Vergleichszeitraums 2014. Zwar ging auch der Stromabsatz um 8 Prozent auf rund 8,3 Terawattstunden zurück; im Wesentlichen ist der Umsatzrückgang aber auf den ungünstigen EUR/CHF-Wechselkurs zurückzuführen. Der Absatz ging deshalb vor allem im Handel (-11 %) zurück, während Versorgung und Vertrieb mit -2 Prozent nahezu unverändert blieben. Erneut markant gesteigert werden konnte mit +28 Prozent der Gasabsatz.

 

Massive Folgen des schwachen Euro
Das erste Halbjahr 2015 stand unter deutlich negativem Einfluss der Währungsentwicklung nach der Aufhebung des EUR/CHF-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar 2015. Das operative Ergebnis des ersten Halbjahres 2015 wird dadurch mit rund 5 Millionen Franken belastet, das Finanzergebnis mit rund 62 Millionen Franken. Diese Währungssituation trifft Repower besonders stark, weil sie einen grossen Teil ihres Umsatzes in Euro erzielt, während substanzielle Kostenanteile in Franken anfallen und Repower in Schweizer Franken abrechnet.

 

Zusätzlich wurde das operative Ergebnis durch rückläufige Nachfragen auf dem Systemdienstleistungsmarkt und anspruchsvollen Marktbedingungen für das Handelsgeschäft belastet.

 

Wertanpassungen auch auf Schweizer Wasserkraftwerken
Das Zusammenwirken der anhaltend tiefen Energiepreise mit dem schwachen Euro belastet auch den Wert der Repower-Assets.  So mussten im ersten Halbjahr 2015 Wertanpassungen auf den Schweizer Produktionsanlagen (Wasserkraft) im Umfang von 16 Millionen Franken vorgenommen werden. In Italien belaufen sich die Wertanpassungen auf 23 Millionen Franken; betroffen ist das Gas-Kombikraftwerk Teverola, das auf dem Regelenergiemarkt weniger nachgefragt wurde. Zudem nahm Repower zusätzliche Rückstellungen auf Langfristverträgen im Umfang von 3 Millionen Franken vor.

 

Mit 11 Millionen Franken positiv bleibt der Cashflow aus operativer Tätigkeit. Die Eigenkapitalquote ist weiterhin solide; sie bleibt mit 35 Prozent im Rahmen der definierten Bandbreite.

 

Insgesamt kommt Repower-CEO Kurt Bobst zum Schluss: «Die negativen Folgen der tiefen Preise und die schwierige Währungssituation haben sich weiter verstärkt. Repower als Unternehmung, die stark am Markt exponiert ist, wurde durch diese Effekte massiv betroffen.»

 

Strukturmassnahmen und Steigerung der Effizienz
Repower führt ihre Massnahmen zur Erhöhung der Kosteneffizienz, die im Rahmen eines Programms seit 2013 laufen, konsequent fort und setzt Strukturvereinfachungen um. Damit konnten bereits Kostenreduktionen von über 20 Millionen Franken pro Jahr erreicht werden. Repower bereinigt ausserdem ihr Beteiligungs- und Projektportfolio und überprüft ihre strategische Ausrichtung mit dem Ziel, die Abhängigkeit vom absoluten Strompreis zu verringern.

 

Im Zusammenhang mit der Euroschwäche werden weitere Massnahmen geprüft; konkrete Entscheide würden fallweise kommuniziert.

 

Im Mai verkaufte Repower aufgrund der aktuellen Marktlage  ihr bereits weit fortgeschrittenes Projekt zur Realisierung eines Gas- und Dampfkraftwerks in Leverkusen (DE). Die Trennung vom Endkunden-Vertriebsgeschäft in Deutschland konnte auf Anfang Juli abgeschlossen werden. Dabei ist aber darauf hinzuweisen, dass Deutschland für Repower ein sehr wichtiger Markt bleibt: Einerseits bedient Repower Grosskunden mit Energie und Dienstleistungen, anderseits ist Deutschland als grösster Handelsmarkt von zentraler Bedeutung. Ausserdem betreibt Repower in Deutschland zwei Windparks.

 

Schwerpunkte aus den drei Segmenten
Zusammenfassend können zu den drei Segmenten noch folgende Feststellungen getroffen werden:

 

Segment Markt Schweiz: Die sehr tiefen Strompreise schlugen sich im ersten Halbjahr 2015 in einer weiteren Margenreduktion nieder. Das gilt insbesondere für die Verwertung des Stroms aus eigenen Kraftwerken, aus Partnerwerken sowie aus langfristigen Bezugsverträgen, wo die Margenerosion besonders stark spürbar war. Die Produktion aus den Wasserkraftwerken war zwar erfreulich hoch — eine kostendeckende Verwertung ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen allerdings weitgehend unmöglich. Repower verbessert bei den Netzen die Effizienz: So wurde zusammen mit Axpo und dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) ein gemeinsamer Netzverbund Nordbünden gegründet, und im Sinne einer Lastoptimierung wurde die Rundsteuerung weiter entwickelt. Im Bewilligungsverfahren befindet sich das Projekt einer grenzüberschreitenden Merchant Line im Bergell, die Repower und ewz in Zusammenarbeit mit Swissgrid planen.

 

Der EBIT-Beitrag des Segments Markt Schweiz betrug -5,4 Millionen Franken. Hier wirkten sich namentlich die Wertminderung bei der Wasserkraft und die Rückstellungen auf Langfristverträgen aus.

 

Segment Markt Italien: In Italien baut Repower ihre Angebote laufend aus, um sich bei ihren Kundinnen und Kunden noch stärker als umfassende Dienstleisterin zu etablieren. Sowohl für Gross- als auch für Vertriebskunden wurden neue innovative Produkte entwickelt — im Wesentlichen mit dem Ziel, den Kunden Effizienzgewinne zu ermöglichen. Der Vertrieb in Italien wurde zwischen März und Juli durch eine viel beachtete, kreative Werbekampagne unterstützt, welche den Bekanntheitsgrad der Marke Repower auf dem Markt erhöhte. Der Handel blieb in Italien im ersten Halbjahr 2015 hinter den Erwartungen zurück, während im Vertrieb bei praktisch unverändertem Volumen erfreuliche EBIT-Beiträge erzielt werden konnten. Die Nachfrage nach Systemdienstleistungen durch das Gas-Kombikraftwerk Teverola sank markant. Die Windparks in Italien produzierten hingegen über den Erwartungen.

 

Der EBIT-Beitrag des Segments Markt Italien betrug -23,4 Millionen Franken. Insbesondere die Wertminderung auf dem Gas-Kombi-Kraftwerk Teverola belastete den EBIT.

 

Übrige Segmente und Aktivitäten: Auch in Rumänien setzt Repower auf ihre Position als qualitativ hoch stehende Dienstleisterin, die ihren Kunden innovative Angebote machen kann. So wurde in Rumänien das landesweit erste zertifizierte Grünstromprodukt lanciert. Dank dieser Strategie gelang es auch, trotz grosser Konkurrenz das Preisniveau zu halten. Der Handel Prag lag trotz leichter Erholung mangels Opportunitäten unter den Erwartungen.
Zu den «Übrigen Segmenten und Aktivitäten» gehören auch die Gruppenfunktionen, die ihrerseits einen Beitrag an das Effizienzsteigerungsprogramm leisteten.

 

Der EBIT-Beitrag der «Übrigen Segmente und Aktivitäten» betrug -5,4 Millionen Franken.

 

Ausblick
Repower geht davon aus, dass sich die Energiepreise kurz- bis mittelfristig nicht erholen werden. Obwohl sich der Schweizer Franken gegenüber dem Euro in letzter Zeit wieder etwas abschwächte, dürfte die Währungssituation schwierig bleiben. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Ertragssteuern (EBIT) 2015 wird aus heutiger Sicht gut 50 Prozent unter dem Wert des Vorjahres, jeweils vor Sonderfaktoren, liegen. Repower erwartet zudem einen deutlich höheren Reinverlust als 2014.  

 

Repower will unabhängiger vom absoluten Strompreis werden
Repower reagiert auf die weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen nebst einer eingeleiteten Strategieüberprüfung und der Bereinigung des Beteiligungs- und Projektportfolios mit einem Bündel von Massahmen, die bereits seit einiger Zeit eingeleitet sind und weiter vorangetrieben werden. Zentrales Ziel ist es, die Unternehmung unabhängiger vom absoluten Strompreis zu machen. Dazu gehören unter anderem folgende Schwerpunkte:

  • Ausbau der Dienstleistungskomponenten auf allen Ebenen und in allen Märkten;
  • Weiterentwicklung der Partnerstrategie in der Schweiz;
  • Entwicklung von innovativen Produkten und Dienstleistungen in allen Schlüsselmärkten, insbesondere im Bereich der Energieeffizienz sowie der Systemintegration und -steuerung;
  • Ausbau der Sales-Aktivitäten;
  • Bei Erneuerungen von Wasserkraftwerken: Wo möglich Anpassen der Stromproduktion an die gängigen Fördermechanismen mit dem Ziel, vermehrt an den staatlich bereitgestellten Fördermitteln partizipieren zu können;
  • Optimieren des Energiehandels;
  • Erweiterung der traditionellen Geschäftsfelder um Angebote im Bereich des New Tech Business, zum Beispiel in der E-Mobilität;
  • Sicherung der Kraftwerksprojekte und der Werthaltigkeit bestehender Assets.


«Repower verfügt über ein grosses Know-how, hat eine ausgeprägte Innovationskultur und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter», kommentiert CEO Kurt Bobst die Ausgangslage. «Deshalb sind wir gut aufgestellt, um auch unter den gegenwärtig schwierigen Bedingungen unsere strategische Positionierung anzupassen und neue Geschäftsfelder zu entwickeln».

 

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Hinweise:
Der Halbjahresbericht 2015 ist auf der Repower-Webseite unter www.repower.com/investors einsehbar. Dort findet sich auch eine Dokumentation mit zusätzlichen Informationen zum Halbjahresabschluss 2015. Der Online-Report findet sich unter onlinereport.repower.com.

 

Repower veröffentlichte bereits am 5. August 2015 eine Medienmitteilung zu den korrigierten Ergebniserwartungen.

 

Medien und Analysten wurden separat zu einer Telefonkonferenz eingeladen. 


Kontakt:

Kurt Bobst
CEO
CH – 7742 Poschiavo
T +41 81 839 7111
M +41 79 221 4655
kurt.bobst@repower.com

 


Stefan Kessler
CFO
CH - 7742 Poschiavo
T +41 81 839 7111
M +41 78 774 1419
stefan.kessler@repower.com

 

 

Werner Steinmann
Leiter Medienstelle
CH – 7742 Poschiavo
T  +41 81 839 7111
M  +41 79 831 5213
werner.steinmann@repower.com

 

 

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