Projekt Lagobianco

1000-MW-Pumpspeicherwerk im oberen Puschlav

Mit Beschluss vom 25. Oktober 2016 hat die Regierung des Kantons Graubünden die Projektgenehmigung für das Projekt Lagobianco erteilt. Weil das Marktumfeld die Realisierung des Pumpspeicher-Kraftwerks derzeit nicht erlaubt, plant Repower, zunächst die bestehenden Kraftwerke zu erneuern.

Ein partizipatives Vorgehen

Die Projektidee

Das Projekt Lagobianco wurde seit Beginn in einem partizipativen Verfahren mit den zuständigen kantonalen und kommunalen Behörden, Umweltorganisationen und weiteren Interessenvertretern erarbeitet. Gemeinsam wurde zuerst eine Machbarkeitsstudie entwickelt. Diese zeigte, dass die Voraussetzungen für die Realisierung des Vorhabens, welches den Bau eines Pumpspeicher-Kraftwerks zwischen dem Lago Bianco und dem Lago di Poschiavo sowie die Erneuerung und den Weiterbetrieb der bestehenden Anlagen im oberen und unteren Puschlav vorsieht, vorhanden waren. In einer langjährigen Zusammenarbeit wurde das Projekt in Arbeitsgruppen weiterentwickelt und gemeinsam zunächst das Konzessions- und anschliessend das Auflageprojekt ausgearbeitet. Dank diesem partizipativen Vorgehen konnte gemeinsam ein breit abgestütztes Vorhaben erarbeitet werden.

Strategie


Das Projekt Lagobianco umfasst die Nutzung der Wasserkraft im ganzen Puschlav, vom Lago Bianco auf dem Berninapass bis zur Landesgrenze zu Italien in Campocologno.

Hauptbestandteil des Projekts ist der Bau eines Pumpspeicher-Kraftwerks mit einer installierten Leistung von 1000 Megawatt. Über einen 18,1 Kilometer langen Druckstollen und einen 2,4 Kilometer langen Druckschacht verbindet dieses den Lago Bianco und den Lago di Poschiavo zu einem hydraulischen System. Das Herzstück der neuen Anlage ist die Kraftwerkszentrale, welche in Camp Martin, am Ufer des Lago di Poschiavo, im Berginnern vorgesehen ist.

Ebenfalls zum Projekt gehören die Erneuerung und der Weiterbetrieb der bestehenden Anlagen Cavaglia und Robbia im oberen sowie der Anlagen Campocologno I und II im unteren Puschlav.


Pumpspeicher-Kraftwerke erfüllen eine zunehmend wichtige Funktion im europäischen Stromverbund. Europaweit werden derzeit neue erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie gefördert. Diese Energieträger haben aber die Eigenschaft, dann Strom zu produzieren wenn die Sonne scheint oder der Wind bläst, und nicht dann, wenn die Kunden diesen benötigen. Hier springen Pumpspeicher-Kraftwerke in die Lücke. Elektrische Energie ist in grossen Mengen nicht speicherbar – wohl aber das Wasser. Pumpspeicher-Kraftwerke nehmen in nachfrageschwachen Zeiten überschüssigen Strom auf und pumpen damit Wasser in höher gelegene Speicher. Steigt der Strombedarf und/oder ist die Produktion aus anderen Quellen gering, können sie mit dem Wasser des höher gelegenen Speichers wieder Strom produzieren.


Mit den umfassenden Erneuerungsarbeiten an den bestehenden Kraftwerkanlagen sichert Repower auch in Zukunft eine zuverlässige und nachhaltige Stromproduktion im Puschlav, die auf einer über 100-jährigen Tradition aufbaut.

Das Projekt in Kürze

Pumpspeicher-Kraftwerk zwischen dem Lago Bianco und dem Lago di Poschiavo

  • Staumauern Lago Bianco – diese werden um 4,35 Meter erhöht.
  • Ein- und Auslaufbauwerk Lago Bianco (Wasserfassung und –rückgabe in grosser Seetiefe vor dem Cambrenadelta).
  • Druckstollen (ca. 18,1 Kilometer) auf der rechten Talseite des Puschlavs zwischen dem Lago Bianco und Motta da Torn; Wasserfassungen im Palü-Gletschersee und im Bach Acqua da Cancian.
  • Apparatekammern an beiden Enden des Druckstollens garantieren die Sicherheit der Wasserwege. In Motta da Torn verhindert ein Wasserschloss unzulässige Druckstösse.
  • Druckschacht (ca. 2,4 Kilometer) zwischen Motta da Torn (ca. 2100 m ü. M.) via Torn zur Kavernenzentrale am Lago di Poschiavo.
  • Zentralengebäude Camp Martin – dort sind 6 Maschinengruppen installiert, die flexibel vom Turbinen- zum Pumpbetrieb wechseln können. Installierte Leistung: 6 x 175 Megawatt = 1050 Megawatt.
  • Ein- und Auslaufbauwerk Lago di Poschiavo.
  • Energieableitung mit Unterwerk Golbia (bei Miralago) / Anbindung an bestehende zweisträngige 380-Kilovolt-Freileitung.

 

Instandstellung und Weiterbetrieb der bestehenden Anlagen – Obere Stufe

  • Umbau der Wasserfassungen Braita, Salva und Puntalta.
  • Sanierung sowie Ausbau und Ersatz des Triebwassersystems des Kraftwerks Robbia.

 

Instandstellung und Weiterbetrieb der bestehenden Anlagen – Untere Stufe

  • Umbau der Wasserfassungen im Lago di Poschiavo und am Saent.

 

Weitere Projektbestandteile

  • Dotiersee Miralago, Wasserfassung und Dotier-Kraftwerk Crodalöc und Miralago.
  • Satellitensee Botul, Revitalisierungen des Poschiavino, übrige Ersatzmassnahmen.

 

Ein grosses Wasserkraftvorhaben wie das Projekt Lagobianco durchläuft ein mehrstufiges Bewilligungsverfahren. Da im Kanton Graubünden die Wasserhoheit bei den Gemeinden liegt, stimmten in einem ersten Schritt zwischen Oktober 2010 und Januar 2011 die Bevölkerungen der Konzessionsgemeinden Pontresina, Poschiavo und Brusio über die Erteilung der Konzessionen ab. Dabei hiessen die drei Gemeinden die Konzessionserteilung gut, womit die Arbeiten am Konzessionsgenehmigungsgesuch zuhanden des Kantons beginnen konnten.

Im November 2011 reichte Repower dem Kanton gemeinsam mit den drei Konzessionsgemeinden das Konzessionsgenehmigungsgesuch ein, womit die erste von zwei Stufen des kantonalen Bewilligungsverfahrens lanciert wurde. Im April 2014 genehmigte der Kanton die Konzessionen, welche im Juni 2014 in Rechtskraft erwuchsen.

Mit der Einreichung des Projektgenehmigungsgesuchs durch Repower an den Kanton begann im März 2015 die zweite Stufe des kantonalen Bewilligungsverfahrens. Mit Beschluss vom 25. Oktober 2016 hat die Regierung des Kantons Graubünden die Projektgenehmigung für das Projekt Lagobianco erteilt. Die Projektgenehmigung ist noch nicht in Rechtskraft erwachsen.

Die Erarbeitung und Sicherstellung eines umweltverträglichen Projekts ist für alle Beteiligten ein wichtiges und erklärtes Ziel und natürlich auch eine unabdingbare gesetzliche Voraussetzung, um die erforderlichen Bewilligungen zu erhalten.

 

Dazu müssen folgende Punkte erfüllt werden:

  • Festlegung von angemessenen und ökologisch abgestimmten Abflussverhältnissen in den von der Wasserentnahme (Restwassermengen) und Wasserrückgabe (Schwall/Sunkverhältnisse) betroffenen Fliessgewässerstrecken;
  • Gewährleistung der ökologischen Funktionen im Lago di Poschiavo (Seeschichtung, aquatische Fauna, Fischerei);
  • Erreichung eines landschaftlich und gesellschaftlich akzeptierbaren Pump- und Turbinierbetriebs im Lago di Poschiavo und im Lago Bianco (Wasserstandschwankungen);
  • Realisierung von ökologisch und landschaftlich möglichst verträglichen Bauten und Anlagen;
  • geringe Auswirkungen des Baus und Betriebs auf das Grundwasser und Quellen;
  • Sicherstellung von umsetzbaren und ökologisch wirksamen Ersatzmassnahmen in den Fliessgewässern und im Lago di Poschiavo;
  • Umsetzung einer fairen Lösung für den Ersatz des Bodenverlustes der Landwirtschaft.

Ausgangslage

Mit der geplanten Energiewende wird immer mehr Strom aus neuen erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne produziert. Wind- und Photovoltaikanlagen produzieren aber nicht dann Strom, wenn dieser benötigt wird, sondern wenn der Wind bläst und die Sonne scheint. Aus diesem Grund braucht es Speicher, die überschüssigen Strom aufnehmen und ihn dann wieder einspeisen können, wenn er tatsächlich benötigt wird. Ein Pumpspeicher-Kraftwerk, wie es als Hauptbestandteil des Projekts Lagobianco vorgesehen ist, funktioniert wie eine grosse Batterie und kann diese Aufgabe daher bestens übernehmen. Mehr noch sind solche Anlagen die für diese Aufgabenstellung nach wie vor effizienteste, nachhaltigste und einzige langfristig erprobte Technologie.

Gleichzeitig kommt auch der Stromproduktion aus Wasserkraft in Zukunft noch mehr Bedeutung zu, handelt es sich doch um eine wertvolle und nachhaltige Form der Stromproduktion. Auch hier kann das Projekt Lagobianco mit der vorgesehenen Erneuerung der bestehenden Kraftwerkanlagen im Puschlav einen wichtigen Beitrag leisten.

Entwicklungen

Der Energiemarkt hat sich in den letzten Jahren markant verändert. Die aktuellen Fördermodelle führen dazu, dass Strom aus erneuerbaren Quellen über Abgaben und Steuern finanziert wird. Als Folge davon kommt es zu Marktverzerrungen und der Strompreis sinkt. Gleichzeitig führt die vermehrte Förderung insbesondere von Sonnen- und Windstrom zu einer Veränderung der Preiskurve und die klassischen Preisunterschiede verschwinden. Die Folge dieser grossen Herausforderungen im Umfeld ist, dass selbst die Wirtschaftlichkeit von Anlagen, welche für die Energiewende dringend notwendig sind, infrage gestellt ist. Dies trifft auch für das im Projekt Lagobianco vorgesehene Pumpspeicher-Kraftwerk zu.

Auswirkungen

Repower ist überzeugt, dass flexible Speicher, wie es Pumpspeicher-Kraftwerke sind, für das Gelingen der Energiewende und eine sichere und zuverlässige Stromversorgung der Zukunft unabdingbar sind. Dennoch ist das aktuelle Umfeld zu unsicher, um heute die Investition in die geplante Anlage zwischen dem Lago Bianco und dem Lago di Poschiavo zu erlauben.
Ursprünglich war vorgesehen, zuerst das neue Pumpspeicher-Kraftwerk zu realisieren und anschliessend die bestehenden Anlagen zu erneuern. Aufgrund der veränderten Ausgangslage im Energieumfeld hat Repower entschieden, diese Arbeiten vorzuziehen. Gleichzeitig sind die Planungsarbeiten am Pumpspeicher-Kraftwerk weit vorangetrieben worden, womit die Grundlagen geschaffen wurden, um auch für dieses Projektelement einen Bauentscheid treffen zu können, wenn ein verbessertes Umfeld die Umsetzung der Anlage zulässt.

Technische Daten

Das künftige Pumpspeicherwerk wird Strom produzieren, wenn danach eine besonders grosse Nachfrage besteht. Dann fliesst das Wasser von oben nach unten und wird in der Kraftwerkszentrale turbiniert. Umgekehrt kann die Anlage in nachfrageschwachen Zeiten vorhandenen Strom aufnehmen und damit das Wasser zur späteren erneuten Turbinierung wieder hochpumpen
Installierte Leistung 1000 MW
Druckstollenlänge 18 km
Druckschachtslänge 2,5 km
Bauzeit ca. 6 - 7 Jahre
Investitionskosten 2,5 Mia. CHF +/- 10%

Publikationen

Die Dokumentation zum Projekt

  • Konzessionsgenehmigungsgesuch für das Projekt Lagobianco

    pdf - 1,0MB

  • Übersichtsgrafik Projekt Lagobianco

    pdf - 380,3KB

  • Projekt Lagobianco Auf einen Blick

    pdf - 877,3KB

  • Zusammenfassung Technischer Bericht

    pdf - 47,3KB

Unsere Medienmitteilungen zum Projekt Lagobianco

 
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Roberto Ferrari

Projekt Lagobianco

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